“Filmmusik mit Gefühl”

Günter “MO” Mokesch hat seiner Karriere bereits einige Wendungen beigebracht. Man kennt ihn als Popmusiker, Musical-Darsteller, Solokünstler oder Musik-Kabarettist. Seit 1996 etabliert er sich zunehmend als Komponist und Produzent von Filmmusik.
Rainer M. Kalchhauser Günter “MO” Mokesch
Wurde Günter Mokesch vom Anbeginn seiner Karriere an als Künstler unterschätzt?

Das habe ich nie so gesehen, am Anfang sind die Dinge recht gut gelaufen. Es lag eher an meiner musikalischen Inkosequenz. Ich habe mich immer als Künstler gesehen und habe Marketing-Strategien vernachlässigt. So gesehen wäre es natürlich gescheiter gewesen, das erfolgreiche Duo mit Karin Raab weiterzuführen. Immerhin hatten wir mit “Send Me Roses” und “Face Of Love” zwei Top 5 Hits. Ich habe aber gewechselt, habe alleine weitergemacht, was ja mit “Wild, Wild, Wild” und “Sunday Morning” noch ganz gut lief. Danach kam die Produktion mit Beat4feet gemeinsam – “If You Want My Love” – und irgendwann hat sich mein Publikum dann nicht mehr ausgekannt.

Spezialisierst Du dich jetzt nur noch auf Filmmusik?

Ich finde Filmmusik und Popmusik stehen einander nicht im Wege. Inkompatibel ist eher Musical und Popmusik, das kriegen Publikum und Kritiker nicht ganz auf die Reihe. Der Filmkomponist Mokesch blockiert den Popmusiker nicht – ganz im Gegenteil! Auf meinem neuen Album “Oil And Water” gibts drei Titel, die ich aus Filmthemen entwickelt habe.

Wie bist Du überhaupt dazugekommen, Filmmusiken zu schreiben?

Der Drehbuchautor Thomas Frank ist ein Freund von mir. Von ihm stammt das Script für die ORF-Produktion “Bernhardiner & Katz”. Als es um die Musik ging, schlug Frank dem Regisseur Johannes Fabrick mich als Komponisten vor. So kam ich zu meiner ersten Produktion, die ich damals gemeinsam mit Thomas Rabitsch als Arrangeur durchführte. Der Film war recht erfolgreich, Johannnes Fabrick arbeitete weiter – und somit auch ich.

Wie gehst Du an eine Filmkomposition heran?

Ich komponiere zuhause am Klavier, manchmal erstelle ich auch Layouts für die Arrangements; vor allem arbeite ich zuhause auch mit demselben Computer-Programm, das auch Thomas (Rabitsch) oder Erwin (Bader) verwenden.
Im günstigsten Fall erarbeite ich anhand des Drehbuchs bereits die Komposition und entwickle auch die Arrangements. Diese Musik kann der Regisseur schon beim Anlegen der einzelnen Takes verwenden. Noch günstiger ist es, wenn er bereits beim Rohschnitt danach schneidet. Dann stimmt der Rhythmus aus Musik und Filmschnitt überein.
Was ich gelernt habe ist das “Wehen der Musik”: Bei manchen Filmen, speziell bei Dramen ist es ja wichtig, dass die Musik rauswächst aus dem Film und wieder rein – in den O-Ton, oder in das Bild. Da lernt man, sich Zeit zu lassen, das verlangt zeitweise eine große Spiritualität, wenn der Film selbst eine spirituelle Message hat.
Ich glaube an die Macht der Musik, an die Macht und Kraft der Töne.

Im Film ist aber die Musik im günstigsten Fall die zweite Wahrnehmungsebene, normalerweise nach Bild und Sprache aber die dritte. Was machst Du hier als Komponist? Verstärkst Du die Situation?

Es ist nicht wichtig, dass man sich als Zuseher an die Musik erinnert. Wichtig ist, dass die Musik lediglich das Gefühl verstärkt, oder ein Gefühl, das gar nicht da ist projiziert. Ein neues Gefühl schafft. Wenn das gelingt, dann ist die Filmmusik gelungen. Es ist nicht notwendig, dass sich jemand die Musik des Filmes merkt – wenn doch, dann ist das schön. Für die Musik zu “Und morgen geht die Sonne wieder auf” wurden wir für den bayrischen Filmpreis nominiert – hier hat sich also jemand die Musik gemerkt. Vielleicht hat die Jury auch die Musik deshalb für gut befunden, da sie so dezent war.
Als Popmusiker habe ich gelernt immer im Zentrum zu stehen. Als Filmkomponist ist es jedoch wichtig, eine demutsvolle Haltung einzunehmen. Du bist nur ein Teil der Produktion. Und wenn man das akzeptiert hat, dann kann man auch eine große Befriedigung dabei empfinden.

Kommen wir noch einmal auf das Thema Gefühl zurück. Wird das mit dem Regisseur abgesprochen, oder verlässt Du Dich auf Deine eigenen Empfindungen beim Lesen des Drehbuches?

Diese Vorbesprechungen mit dem Regisseur versuche ich zu vermeiden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich zuerst selbst die Gefühlsmomente erfassen möchte. Diese setze ich um, mache ein Layout – und erst dann bespreche ich mit dem Regisseur, ob wir die Szenen vom Gefühl her gleich sehen und spüren. Da kommt es immer wieder vor, dass ich zu weit gehe oder auch zuwenig weit gehe bei einzelnen Themen.

Du gehst also in erster Linie gefühlsorientiert an die Gestaltung der Musik heran?

Das ist mein Auftrag. Ich bin Künstler und kein Mathematiker. Ich errechne nicht, welche Musik zum Bild passen könnte – und normalerweise kenne ich ja die optische Auflösung des Drehbuches noch nicht -, ich visualisiere für mich persönlich das Drehbuch, und dazu schreibe ich die Musik.

Wie schauts da mit der budgetären Ausstattung für eine Filmkomposition aus?

Es gibt eine gewisse Untergrenze für mich, darunter mache ich den Film nicht. Da gehts jetzt gar nicht um den Gewinn – natürlich müssen wir auch Miete zahlen! – es geht vielmehr um die Qualität, die dann passiert. Ich kann nur mit einem gewissen Budget eine gewisse Qualität erreichen. Ausserdem ist es aufreibend, die ganze Zeit auf Low-Budget zu arbeiten, das kostet immens viel Energie, das inspiriert nicht mehr, man laugt sich nur aus.

Beeinflusst das Budget nicht direkt auch die Größe des Arrangements?

Nicht unbedingt. Manchmal verwenden wir eine komplette Band, manchmal nur einen Geiger oder eine Klarinette. Oft ein einzelnes Cello.

Aber doch nie ein ganzes Orchester?

Das geht sich leider nicht aus. Wir würden das natürlich gerne machen, es war aber bisher noch nie im Budget drinnen. Es wurde allerdings auch noch nie verlangt.

Seit vier Jahren bist Du nun in der Filmbranche tätig. Wie sieht generell die Auftragslage aus?

Das hängt natürlich in erster Linie mit dem Regisseur Johannes Fabrick zusammen. Wann immer er einen Film macht, dann fragt er wegen der Musik zuerst bei uns an. Da machen wir uns gar nichts vor. Ich nehme an, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird. Durch die Filmpreis-Nominierung hat unser Team doch schon einen Namen, und von RTL gibt es mittlerweile eine Anfrage von einem anderen Regisseur, wo wir bezüglich einer Realisierung im nächsten Jahr recht zuversichtlich sind.

Trotzdem liefert ihr auch Musik an den ORF?

Ja, wir machen die gesamte Musik für “Willkommen Österreich”. Von den verschiedenen Variationen der Signation weg über Spezialthemen in den Jahreszeiten, Society-, Fitness-, Gesundheitsblöcke und so fort. Das machen wir seit einem Jahr.

Und wie seid ihr dazu gekommen?

Wir haben uns an einer Ausschreibung beteiligt und sind ausgewählt worden.

Steckt bei einem Auftrag der Gewinn eher in der Auftragssumme oder in der nachträglichen Abrechnung der Lizenzgesellschaften?

Beim Film ist es eher das Honorar als solches. Beim Fernsehen – insbesondere bei einer täglichen Sendung – sind es natürlich die Tantiemen, die später ausgezahlt werden.
Und für das Honorar gibt es fixe Sätze, wo gar nicht lang verhandelt werden muss. Das gilt gleichermaßen für Film und Fernsehen. Bis auf wenige Ausnahmen ist es eine sehr straighte geschäftliche Angelegenheit, für die man auch Zeit und “Muße” haben muss: Die Verträge müssen gelesen und unterschrieben werden, und es muss auch jemand dafür gerade stehen. Bei unserem Team bin das ich. Aber es ist keine Hexerei. Man ist eben nicht nur Künstler, man ist ab einem bestimmten Punkt auch Geschäftsmann.

Wenn Ihr im Studio Filmmusik produziert, dann in erster Linie mit Gitarre und allen möglichen Keyboards, mit Samplern, Loops, mit Geigen aus dem Computer?

Primär – wenn man diese Sounds aber mit einigen natürlichen Geigen oder Celli unterstützt, dazu ab und zu eine Klarinette oder eine Oboe, dann ist das heutzutage klanglich bereits akzeptiert.
Aber bei “Liselotte” wollte ich es ganz anders. Bei diesem Film hat uns auch Gerry Schuler geholfen, Bläsersätze zu arrangieren.
Wir haben uns in den Kopf gesetzt, diese ziemlich absurde Geschichte ausschließlich mit Bläsern und mit Loops zu arrangieren. Das war höchst interessant, es war aber auch risikoreich – es hätte dem Produzenten auch nicht gefallen können -, es wurde aber zum Glück goutiert. In diesem Zusammenhang muss ich noch einmal einen besonderen Dank an die genialen Bläser von “Mnozil Brass” sagen: Die haben das hervorragend umgesetzt!

Das Team von “mo music” stellt gerade den Soundtrack für “Hinter verschlossenen Türen” (RTL) fertig. Was sind die nächsten Projekte?

Im November kommt noch ein Film von Johannes Fabrick, und dann wollen wir mein neues Album angehen: eine deutschsprachige Platte.
Arbeitstitel: “Perlen vor die Säue”…